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Das Raritätenkabinett 

David Bosshard, Landschaftsarchitekt

Der Grundeinteilung der Anlage in drei unterschiedlich thematisierte Bereiche folgend, gliedern differente Bepflanzungskonzeptionen die einzelnen Grünräume des neu geschaffenen Parks.


Parterre
Der dem Schloss vorgelagerte, repräsentative Schmuckgarten ist in acht Rasenflächen geteilt. Unterschiedlich breite, kompakte Heckenkörper aus immergrünem Buchsbaum (Buxus sempervirens var. arborescens), aus den auch unter Schnitt blühenden Zierquitte (Chaenomeles x superba ‚Fanal’) und Kornelkirsche (Cornus mas) sowie der feinblättrigen, orientalischen Weissbuche (Carpinus orientalis) umranden die einzelnen Rasencarrés.

Zusammen mit den im März pastellfarbig erblühenden, rasterförmig die Rasenflächen überlagernden Frühjahrsprimeln (Primula pruhoniciana), bringen die Heckenpflanzen mit ihren Formenvarianten Bewegung und Abwechslung in die streng geometrische Ordnung des Parterres. Unterstützt werden sie dabei durch die mit prachtvollen, orangerot leuchtenden Blüten übersäten Granatäpfel (Punica granatum), während den Sommermonaten aufgestellt in Kübeln entlang der Westfassade des Schlosses.

Pavillon
Die zierlichen, in rosa und weissen Farbtönen blühenden, kräftig wachsenden und gesunden Rambler- und Kletterrosen (‚Pauls Himalayan Musk’, ‚Kew Rambler’, ‚Rambling Rector’, ‚Minnehaha’, ‚Filipes Kiftsgate, ‚New Dawn’, ‚Direktor Benschop’ u.a) beranken die Holzpergola über dem Wirtschaftsgebäude im Norden des Schmuckgartens.

Dunkelgrüne, in Form geschnittene Eibenhecken (Taxus baccata) kontrastieren mit der Blütenfülle der Kletterrosen und bilden den räumlichen Abschluss des Parterres im Süden und gleichzeitig den Übergang zum Baumgarten, dem sogenannten Pomarium.

Pomarium
Hochstämmige Obstbäume mit alten und gefährdeten Walliser Apfel-, Kirschen-, Zwetschgen- und Quittensorten gliedern in freier Anordnung, mit den unter den Bäumen gepflanzten, im späten Hochsommer zartrosa blühenden Gewürzsafrane (Crocus sativus) die offene, weitläufige und vielfältig nutzbare Wiesenfläche im südlichen Teil des Gartens.

In Zusammenarbeit mit der Pro Specie Rara, einer gemeinnützigen Stiftung, deren Ziel die Erhaltung einer grossen Vielfalt von Nutztieren und Nutzpflanzen ist, werden die in Frage kommenden Edelreiser beschafft und auf die gepflanzten Unterlagen veredelt. Im Gespräch sind etwa der ‚Lädericher 1’, ein gefährdeter Tafelapfel, der im Wallis bereits im 18. Jahrhundert bezeugt ist, oder der nicht minder gefährdete süsse Tafel- und Kochapfel ‚Nuvena’, vermutlich von den Römern um 73 n. Chr. ins Wallis gebracht.

Der am Rand des Baumgartens platzierte Kinderspielbereich ist mit einer geschnittenen Hecke aus kleinfruchtenden Apfelspindelbäumen eingefasst und harmonisch in die Obstwiese integriert. Um den neuen Aussichtsturm in Innern des Spielplatzes zieht sich eine Spirale aus geschnittenen Rotbuchen (Fagus sylvatica).

Versammlungsort
Eine mächtige Winterlinde (Tilia cordata) als Symbol des Versammlungsortes setzt ein markantes Zeichen auf dem neu geschaffenen Platz vor dem Schlosshof. Von hier aus quert ein mit violett-blau blühenden Schopfhyazinten (Muscari comosum) gesäumter Fussweg die erste Terrasse oberhalb des Pomariums in Richtung Süden.

Rebberg
Oestlich daran anschliessend, auf der obersten Etage des Gartens, liegt in der Hanglage der von PROVINS angelegte Rebberg des Schlossgartens.

Im Sortiment sind alte Oberwalliser Rebsorten wie der ‚Gwäss’ (le gouais), der aus dem Osten Frankreichs stammt und bereits 1586 im Zenden Visp erwähnt wurde. Ebenso gepflanzt wurde die ‚Himbertscha’, deren Ursprung man in der Region Visp vermutet, die ‚Lafnetscha’, eine vermutlich aus Graubünden stammende Rebsorte, und selbstverständlich die ‚Resi’ (la rèze), die Stockalper in seinen Handels- und Rechnungsbücher mehrfach erwähnt. Der ,Heida’ (paien) aus der Familie der Traminer gehört ebenso in einen Oberwalliser Rebberg wie die roten Sorten ‚Landroter’ (Cornalin) und der ‚Eyholzer Rote’ (Hibou), eine besondere Rarität, die nur noch auf wenigen Quadratmetern Rebfläche angebaut wird.

Zum Bild eines Rebbergs dieser Art darf natürlich auch die aus Südeuropa stammende Weinbergtulpe (Tulipa sylvestris) nicht fehlen, welche in Form von Brutzwiebeln in den Wurzeln von Weinstöcken von Süden her über die Alpen gewandert ist. Die erste Erwähnung ihres Vorkommens nördlich der Alpen stammt von Jeran Bauhin (1541–1612), der in seiner 1651 veröffentlichten ‚Historia Plantarum’ eine solche bei Montbéliard wachsende Tulpe verzeichnet.

Eine zur Blütezeit im April intensiv duftende Fliedergruppe (Syringa vulgaris) begrenzt den Rebberg nach Norden. Gleichzeitig bildet sie den räumlichen Halt des kleingliedrigen Rosengartens über den restaurierten Gewölbekellern im Osten des Areals, von wo aus sich ein weites Gartenfenster mit wundervollem Blick über den gesamten Schlossgarten öffnet.

PS: Leider sind in den sehr kalten Monaten Dezember 2001 und Januar 2002 viele der eben erst ausgebrachten Zwiebelpflanzen erfroren.


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